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Beeinträchtigt Pendeln Gesundheit und Psyche?

In diesem ausführlichen Artikel erfahren Sie alles wissenswerte darüber ob und wie Pendeln die Gesundheit und Psyche beeinflusst..

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Nach den Daten der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Berufspendler im Jahr 2021 um 150.000 gestiegen. Berufspendler sind dabei Arbeitnehmer, die nicht in dem Bundesland leben, wo sie auch arbeiten. Im Jahr 2021 waren dies mit 3,5 Millionen Arbeitnehmern 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Umso wichtiger erscheint daher die Frage, ob Pendeln negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Immer wieder berichten Pendler von einer erhöhten körperlichen und psychischen Belastung durch den langen Arbeitsweg. Ist dies nur Einbildung oder kann Pendeln zu einer ernsten Gefahr für die eigene Gesundheit werden? Sollten Sie als Arbeitnehmer deshalb besser Berufe fernab vom Wohnort meiden?

Warum gibt es immer mehr Pendler?

Auf den ersten Blick scheint die Statistik, dass immer mehr Menschen zur Arbeit pendeln, für Sie sicher nicht nachvollziehbar zu sein. So hat schließlich die Corona-Pandemie für eine breite Akzeptanz des Homeoffice in der Gesellschaft gesorgt. Viele Arbeitnehmer genießen mittlerweile den Vorteil, ihrer Arbeit in den eigenen Wänden nachzugehen. Allerdings ist in vielen Branchen Homeoffice immer noch nicht üblich. So kann ein Bauarbeiter zum Beispiel nicht von zuhause aus arbeiten.

Der Hauptgrund jedoch für die gestiegene Anzahl an Pendlern liegt laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt in den hohen Mieten, die aktuell besonders in den Städten vorkommen. Deshalb können es sich die Arbeitnehmer nicht leisten, am Ort ihrer Arbeitsstätte zu wohnen. Aus diesem Grund sind sie gezwungen, eine lange Anreise zum Arbeitgeber auf sich zu nehmen.

Macht Pendeln krank?

Ob Pendeln Gesundheit und vor allem Psyche schadet, ist eine häufig diskutierte Frage. So ging der Report „Mobilität in der Arbeitswelt“ von der Techniker Krankenkasse im Jahr 2018 dieser Frage mittels Daten von ihren Mitgliedern nach. Hierbei galt ein Arbeitnehmer dann als ein Pendler, wenn Wohnort und Betriebsstätte nicht in demselben Kreis liegen. Nach Auswertung der Daten kamen die Forscher schließlich zu dem Ergebnis, dass Pendler zwischen 2011 und 2017 etwas seltener krankgeschrieben waren. Dies klingt erstmal sehr positiv für Pendler und es scheint so, als wären die negativen Meldungen über Pendeln nur ein Mythos. Allerdings handelt es sich hierbei wohl um einen Selektionseffekt. Menschen, die bereit sind zu pendeln, haben in der Regel auch eine bessere Gesundheit. Außerdem arbeiten viele Pendler in körperlich anspruchsvollen Berufen wie dem Baugewerbe. Deshalb finden sich hier auch im Vorfeld bereits gesündere Menschen, die in der Folge auch seltener krankgeschrieben sind.

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Außerdem zeigt sich die Schädlichkeit des Pendelns erst beim genaueren Blick auf die Daten. Die Anzahl der Fehltage wegen psychischer Leiden ist bei Pendlern nämlich deutlich höher als bei Nicht-Pendlern. Bei Männern ist sie um 4 Prozent, bei Frauen sogar um 15 Prozent höher. Demnach scheint sich Pendeln vor allem negativ auf die Psyche auszuwirken. Dies scheint zwei Gründe zu haben: Einerseits ist das Pendeln an sich sehr stressig, andererseits verringert es durch den hohen Zeitaufwand die Lebensqualität.

Stress beim Pendeln

Pendeln verursacht Stress und Stress ist einer der größten Krankheitsfaktoren in der heutigen Zeit. Egal ob der Arbeitnehmer mit dem Auto, mit dem Zug oder sogar per Elektrotransporter zur Arbeitsstätte gelangt, er weiß nie, ob er wirklich pünktlich ankommt. Zugverspätungen oder Staus können dabei die Nerven strapazieren. Weil die meisten Pendler morgens zur Arbeit fahren, stehen viele auch zeitig auf. Um noch etwas mehr Schlaf genießen zu können, versuchen einige trotzdem, dabei noch möglichst lange zu schlafen. Dies erhöht jedoch häufig den Stressfaktor, denn es erhöht das Risiko, zu spät zu kommen.

Pendeln und die Lebensqualität

Pendeln verbraucht Zeit und diese Zeit steht dem Arbeitnehmer dann nicht mehr für andere Tätigkeiten zur Verfügung. Dies senkt schließlich die Lebensqualität. So kann ein Pendler nicht mehr so häufig zum Sport gehen oder er trifft seine Freunde kaum noch. Dies ist wohl auch ein Grund, wieso Pendeln laut dem Report der Techniker Krankenkasse bei Frauen stärker die Fehltage wegen psychischer Leiden erhöht. Frauen kümmern sich meistens auch noch viel um ihre Familie und dadurch bleibt ihnen kaum noch Zeit für sich selbst.

Wirkt sich Pendeln auch negativ auf den Körper aus?

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Auch wenn der Report der Techniker Krankenkasse eher die negativen Aspekte des Pendelns auf die geistige Verfassung betont, gibt es ebenso einige Studien, welche die negativen Auswirkungen auf den Körper herausstellen. So gab es bereits 1992 eine Studie aus Frankreich, die bei 1719 Befragten einen Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und Länge der Fahrt zur Arbeit herausfand (Pietri F, Leclerc A, Boitel L, Chastang JF, Morcet JF, Blondet M.(1992): Low-back pain in commercial travelers. Scandinavian Journal of Work, Environment and Health; 18:52–58). Dieser Zusammenhang erscheint logisch, zumal sich das ständige Sitzen negativ auf den Körper und vor allem den Rücken auswirkt. Egal ob der Pendler mit dem Zug oder Auto fährt, er verbringt den Weg zur Arbeit in den meisten Fällen sitzend, außer er findet im Zug keinen Sitzplatz mehr.

Sitzen ist deshalb so ungesund, weil diese Haltung gemäß der Meinung vieler Forscher unnatürlich ist. Unsere Vorfahren haben vermutlich nie oder nur ganz selten gesessen. Schon bei der Arbeit sitzen die meisten Menschen heutzutage sehr lange und gerade deshalb sollte der Weg zur Arbeit nicht auch noch sitzend gestaltet werden. Außerdem fährt beim Sitzen der Stoffwechsel herunter. Dadurch werden weniger Kalorien verbrannt und dies erhöht das Risiko für Übergewicht.

Welche Art des Pendelns ist am besten

Da Pendeln Gesundheit und vor allem Psyche schaden kann, stellt sich die Frage, ob dies für alle Arten des Pendelns in gleichem Maße zutrifft. Laut einer Studie aus dem Jahr 2016, welche Daten aus Großbritannien nutze, ist das Autofahren beim Pendeln besonders ungesund im Gegensatz zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (Künn-Nelen, A. (2016): Does commuting affect health? Health Economics; 25, 984-1004).

So weist auch das Pendeln per KfZ bezüglich zwei der drei genannten Gründe, wieso Pendeln krank macht, eine deutlich schlechtere Bilanz auf als das Pendeln per Zug: Erstens scheint Autofahren mehr Stress als eine Zugfahrt zu verursachen, weil der Pendler selbst das Fahrzeug steuern muss. Zweitens besteht bei der Zugfahrt zumindest die theoretische Möglichkeit, sich mal hinzustellen. Beim dritten Aspekt, der Lebensqualität, hängt die zu bevorzugende Art des Pendelns davon ab, welche schneller vonstattengeht. So kann an dieser Stelle keine allgemeine Empfehlung für den Zug und gegen das Auto ausgesprochen werden. Es sollte immer die Dauer der Fahrt betrachtet werden und hier könnte das Auto schließlich besser abschneiden.

Tipps für Pendler

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Wenn Sie Pendler sind, werden Sie sicherlich die genannten Aspekte beunruhigen. Allerdings besitzen die meisten Menschen nicht die berufliche Mobilität, um sich einfach einen anderen Job mit weniger Entfernung zum Wohnort zu suchen. Deshalb folgen nun einige Tipps, wie Sie das Pendeln gesünder gestalten können: Beim Autofahren sollten Sie unbedingt den Sitz passend einstellen und gelegentlich Pausen bei der Fahrt einlegen. Außerdem können Sie vielleicht mit Ihrem Chef reden, ob Sie zu Zeiten mit einem eher geringen Verkehrsaufkommen fahren dürfen. Bei dem Gespräch mit dem Chef lässt sich gleichzeitig auch fragen, ob nicht zumindest für einige Tage die Möglichkeit zum Homeoffice bestehen könnte.

Fazit

Pendeln hat bezüglich der Gesundheit keinen guten Ruf. Vor allem auf die Psyche scheint sich eine lange Fahrt zur Arbeit tatsächlich negativ auszuwirken. Pendeln selbst bedeutet nämlich oftmals Stress und des Weiteren steht diese Zeit nicht für andere Tätigkeiten zur Verfügung. Wenn Sie deshalb die Wahl haben, sollten Sie einen Beruf in Wohnortnähe oder mit viel Zeit im Homeoffice bevorzugen. Wenn Sie pendeln müssen, sollten Sie das Verkehrsmittel mit Bedacht wählen und versuchen, die Fahrt nicht zu stressig werden zu lassen.

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