Wirtschaft

Ursachen für die psychische Belastung in der Logistik-Branche

In diesem Artikel erfahren Siedetailliert alles rundum die Ursachen für die hohe psychische Belastung in der Logistik-Branche

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Auf Empfängerseite ist viel Unzufriedenheit mit Logistik-Unternehmen zu vermelden. Doch die Nöte der Branche erhält zu wenig Beachtung. Die psychische Belastung in der Logistik wächst, weil immer mehr Bestellungen online abgewickelt werden. Das hat zwar einen Boom in der Logistikbranche nach sich gezogen. Ausgetragen wird der Druck jedoch auf dem Rücken der Mitarbeiter. Transportunternehmen und Zustelldienstleister sehen sich vor Aufgaben gestellt, die kaum noch zu bewältigen sind.

Beispiel: Brief- und Paketzusteller

Dass die psychische Belastung in der Logistik immens ist, ist am Beispiel der Zustelldienstleister gut zu belegen. Deren Aufgaben reichen von der Annahme und dem Weitertransport von Sendungen über die stationäre Bearbeitung und Weiterverteilung bis hin zur eigentlichen Zustellung.

Das alles wird unter Zeitdruck, teilweise zu nachtschlafender Zeit und unter ständiger Überwachung der Zentrale erledigt. Auch auf der Kundenseite ist nicht alles eitel Sonnenschein. Unzufriedene Paket-Empfänger, bissige Hunde oder defekte Fahrstühle kosten Zeit und Energie. Zudem werden Subunternehmer eingesetzt, die die Löhne drücken. Der Logistiker legt damit einen Teil der Verantwortung für desaströse Zustände in die Hände anderer. Die psychische Belastung in der Logistik führt zu hoher Fluktuation unter den Mitarbeitern. Termindruck, Kontrolle und körperliche Anstrengungen ergeben bei schlechter Bezahlung einen hohen Stresspegel. Dazu tragen auch die Zustellbedingungen und Sonderwünsche der Empfänger nicht unwesentlich bei.

Viele Zusteller sind dankbar, wenn ein netter Mieter Sendungen für die Nachbarschaft annimmt. Auch Hitze, Kälte, Nässe oder Glatteis – tragen nicht gerade dazu bei, dass der Stresspegel sinkt. Mancher Kollege behilft sich in Notwehr damit, Teile seiner Zustell-Aufgaben nicht auszuführen. Er liefertt diese bei der nächsten Poststelle oder im Depot ab. Sein „Dienst nach Vorschrift“ bedeutet dann aber mehr Stress für die Empfänger – oder für Kollegen, die am Folgetag nicht zugestellten Sendungen zusätzlich laden müssen.

Die Logistikbranche muss umdenken

Die Transport- und Logistikbranche stellt hohe Anforderungen an Mensch und Material. Unter Berufskraftfahrern, die Möbel, Bücher, Dieselöl oder Paletten mit Lebensmitteln von A nach B transportieren, ist der Druck immens. Schwere Ladungen müssen auf den Hänger geschafft werden. Sie stammen aus einem Kühllager, einem Hochregal Lager oder einer Halle mit einem Langgut Lager. Bis die Ladung auf der Laderampe steht, vergeht schon mal einige Zeit. Dann müssen die Ladepapiere kontrolliert werden. Danach geht es auf die Strecke.

Die stundenlangen Fahrten quer durch Deutschland oder Europa wurden während der Corona-Lockdowns noch anstrengender. Imbisse und Rasthäuser waren geschlossen. Offene Toiletten fanden sich unterwegs kaum. Der permanente Zeitdruck wirkt sich auf die Ruhezeiten, die vorgeschriebenen Pausen und die Schlafzeiten aus. Kommt es unterwegs zum Stau, steigt der Zeitdruck noch weiter. Die Ursachen für die steigende psychische Belastung in der Logistik sind vielfältig. Trotzdem wird von den Betroffenen verlangt, umsichtig zu fahren und pünktlich am Zielort einzutreffen.

Hoher Stresspegel, hohe Krankenstände

Wenn sich ein PKW-Fahrer unter einem im Stau steckenden LKW-Hänger tot rast, ist das für die Betroffenen ein psychischer Super-Gau. Für das Logistik-Unternehmen zählt vorrangig, dass die noch intakte Ladung schnellstens umgeladen und weitertransportiert wird. Die Traumatisierung des Fahrers ist seine Sache. Oftmals ist die psychische Belastung so hoch, dass ein Berufswechsel erfolgt. Schwere Unfälle mit Beteiligung von LKWs nehmen zu. Der Grund: Immer mehr Ladungen werden vom Flieger auf die Straßen oder Schienen verlagert.

Enorme Belastung für Mitarbeiter - aus dem Artikel - Ursachen für die psychische Belastung in der Logistik-Branche
Überarbeitete Postboten: „Sie fallen um wie die Fliegen“ – T-Online

Viele Übersee-Lieferungen fehlen derzeit. Der Brexit wirkt sich auf die Logistik-Branche ebenso fatal aus wie die Corona-Pandemie. Die Logistik-Branche hat zunehmend mit hohen Krankenständen zu kämpfen. Der Kunde erwartet heutzutage eine deutlich schnellere Lieferung als früher. Das ist für die Logistik-Branche kaum noch zu leisten, ohne Mensch und Material über die Grenzen hinaus zu strapazieren. Der erhöhte Zeitdruck, die gestiegenen Erwartungen an Lieferzeiten und der unternehmerische Erfolgsdruck – all das setzt die Logistik-Branche auch unter Kostendruck.

Der Maßnahmen-Katalog, der gegen den steigenden Kostendruck eingesetzt wird, ist mit dürren Worten beschrieben: Kostenersparnisse werden bei Verbrauchs- und Arbeitsmaterialen, bei der Pflege und Erneuerung des Fuhrparks oder bei den Personalkosten umgesetzt. Man schickt Hermes-Fahrer mit Schrottautos oder LKW-Fahrer mit ungesicherten Ladungen auf die Strecke. Den Mitarbeitern von Logistik-Unternehmen – den „Human Ressources“ – werden immer mehr Zumutungen aufgedrückt. Auch die psychischen Belastungen in der Intralogistik steigen.

Wo ist das Ende der Fahnenstange?

Steigende Arbeitsbelastungen pro Person unter steigendem Zeitdruck ergeben am Ende nicht das gewünschte Ergebnis. Die durchgehend hohen Krankenstände in der deutschen Logistikbranche sind nur mit denen der Reinigungsbranche und den nicht-medizinischen Gesundheitsberufen zu vergleichen. Der Hinweis, dass es in anderen Kulturkreisen eine andere Arbeitshaltung gibt, erweist sich nicht als hilfreich. Das Chinesen oder Japaner bis zum Umfallen für Mini-Löhne arbeiten, kann hierzulande nicht als Maßstab gelten. Die steigenden Selbstmordraten in beiden Ländern sprechen eine deutliche Sprache. Auch hier sind die Grenzen des Zumutbaren längst überschritten.

In Deutschland muss die psychische Belastung in der Logistik endlich betrachtet und mit nachhaltigen Maßnahmen reduziert werden. Die hohen Fehlquoten in der Logistik-Branche gehen auf Stress-Erkrankungen wie Burn-out, auf körperliche Überlastung sowie Muskel-Skelett-Probleme oder auf Bindegewebs-Probleme zurück. Wir blicken hier auf einen herausfordernden Knochenjob, der oft unter suboptimalen Bedingungen ausgeführt werden muss. Das veranlasst junge Leute kaum noch, in der Logistikbranche arbeiten zu wollen.

Das romantische Bild vom Trucker hat Risse bekommen. In Wahrheit leiden viele Trucker unter zu langen Fahrzeiten, unter permanentem Zeitdruck, unter Müdigkeit und Erschöpfung, Aggressionen, Verhaltens- und Schlafstörungen. Oftmals peppen sich die Fahrer mit Cola, Energy-Drinks oder Alkohol auf, um den Anforderungen gerecht zu werden. Ein Sekundenschlaf am Steuer beendet die illusorische Vorstellung, dass man damit auf Dauer überleben kann. Ob die Zukunft der Logistik- und Transportbranche in fahrerlosen Transportsystemen liegt, ist derzeit nicht absehbar.

Neue Ansprüche, neue Probleme

Ansprüche wie die „Same Day Delivery“, die Kommissionierung von Ladungen durch Roboter oder die angestrebte Drohnenzustellung werden nicht den Druck von den Logistik-Unternehmen nehmen. Im Gegenteil: Sie erhöhen ihn noch.

Wenn Roboter die Ladungen im Kühllager zusammenstellen, erhöht sich der Zeitdruck für die Transporteure weiter. Der Kostendruck steigt, wenn Drohnen einen Teil der Ladungen zustellen sollen. Die Transportunternehmen können dadurch nicht mehr auf Ladungsmengen zählen, die genug Umsatz einbringen. Zukünftig werden vielleicht keine Bücher- oder Lebensmittel-Paletten mehr in einem Hochregal Lager zwischengelagert. Wohin die Logistikbranche unter den neuen Anforderungen steuert, ist ungewiss.

Paketzusteller - aus dem Artikel - Ursachen für die psychische Belastung in der Logistik-Branche
Post- und Paketzusteller überdurchschnittlich lange krank – RND.de

Klar ist: Die Logistikbranche muss neue Lösungen entwickeln – dies auch mit Blick auf die zu erwartende Überalterung ihrer Mitarbeiter und den fehlenden Nachwuchs. Kleine Logistikunternehmen können sich nicht den gleichen Grad an Automatisierung leisten wie Großunternehmen. Sie müssen selbst im Langgut Lager Hand anlegen statt alle Griffe den Robotern und Anlagen zu überlassen. Ein vollautomatisches Langgut Lager führt viele zum Arbeitsplatzverlust. Die manuelle Kommission bedeutet aber körperliche Schwerstarbeit. Gleiches gilt für jedes Hochregal Lager. Diese wurde bisher oft mit Hubwagen und Gabelstaplern bestückt oder entladen. Solche Notwendigkeiten verschaffen vielen Menschen eine Beschäftigung.

Übernehmen zukünftig Automaten sämtliche Tätigkeiten der Kommissionierung, bleiben am Ende nur wenige Mitarbeiter in Lohn und Brot. Das trägt dazu bei, die psychische Belastung in der Logistik ansteigen zu lassen. Hier muss dringlich gegengesteuert werden.

Zukunftsorientierung und Menschlichkeit

Von steigenden Belastungen und Stresserkrankungen sind nicht nur die Mitarbeiter im Kühllager oder an den Fließbändern betroffen, sondern auch die Chefetage von Logistikern. Diese stehen vor großen Herausforderungen. Auf Dauer schneiden die Logistik-Unternehmen sich ins eigene Fleisch, wenn sie ihre Mitarbeiter nicht schulen und auf neue Anforderungen vorbereiten. Themen wie Zukunftsorientierung, Ergonomie, Gesundheitsvorsorge und Stressentlastung müssen zukünftig wichtiger genommen werden.

Deutsche Logistik-Unternehmen müssen sich stetig anpassen. Sie müssen neuen Trends offen gegenüber stehen. Das erfordert oft Investitionen in beträchtlicher Höhe. Der Markt wird sich vermutlich ausdünnen. Einige Unternehmen müssen sich spezialisieren, um zu überleben. Doch die geforderte Flexibilität darf nicht länger zu Lasten der Mitarbeiter gehen. Das ist eine Herausforderung, die auch die Chefetage und das Management eines Logistikers nicht unberührt lassen darf. Letzten Endes ist der Arbeitsalltag für „Human Ressources“ durchaus so gestaltbar, dass er erträglicher wird.

Das Wohlbefinden der eigenen Mitarbeiter sichert motivierte Kollegen. Die Effizienz der Mitarbeiter kann beispielsweise durch kurze Laufwege, körperliche Entlastung dank optimierter Arbeitsplätze, geregelte Pausen und eine faire Bezahlung gesichert werden.

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